Eine Heimfahrt mit unerwarteten Highlights
Heute gab es ein
hartes Aufwachen. Jürgen, der sonst immer gut gelaunt ist, klopft an die Tür
und meint ungehalten, kein Wasser.
Tja, die Nacht hat es Gewittert,
dann kann es in Italien schnell geschehen, dass der Strom ausfällt und darum
die Pumpen nicht mehr laufen. Ich ruf an der Rezeption an und tatsächlich und
unerwartet meldet sich jemand bereits um 7.00 Uhr in der Früh. Das Problem sei
bekannt, man kümmere sich. Italien denke ich, dass kann dauern.
Wenn man kein Wasser
hat, dann merkt man erst wie abhängig man von den guten Tropfen ist. Meine
Nachlinsen muss ich ungewaschen in die Aufbewahrungsflüssigkeit geben.
Doch dann geht es doch
plötzlich wieder – wir können doch noch alle duschen und kommen auch wie
abgemacht um 8 mit den Koffern zum Auto. Schnell ist alles verstaut – doch dann....
wo ist der Schlüssel. Alle schauen mich an. Ich weiss jedoch, dass ich ihn
nicht als letzte hatte. Aber da ich immer den Schlüssel auf mir hatte, bin nun
ich die die man böse anblickt. Melanie geht als erste zurück zu unserem Appartamento,
dann ich auch nochmal. Schliesslich findet ihn Melanie in ihrer Handtasche. Also
alles gut.
Wir frühstücken ein
letztes Mal und wie zum Hohn ist es noch immer schön und warm. Schliesslich geht es ans zahlen. Melanie nimmt
auch hier noch einen Chianti mit. Wir verzichten. Dann geht es gegen Pisa. So
jetzt kann das Navi übernehmen und ich schlaf erst noch eine Runde.
In Pisa angekommen
entscheiden wir uns noch für einen Kurzbesuch des schiefen Turms. Mein Google Navi
führt uns in die Fussgängerzone und man klärt uns auf, dass man hier ganz
schnell eine böse Busse einfangen kann. Wir fragen, wie wir hier schnell wieder
rauskommen und eine Ladenbesitzerin ist dann so lieb und weist uns den Weg.
Wir finden sogar einen
Parkplatz ganz in der Nähe und können zu Fuss zum Turm. Ganz die Reiseleiterin
ermahne ich nochmals alle auf ihre Taschen aufzupassen. Vor dem eigentlichen
Platz sind kleine Touristenstände aufgebaut, wie ein Markt, der allerlei
Krimskrams verkauft.
Die unglaublichsten
Touristen begegnen uns hier. Eine doch eher korpulente Dame ist nur mit einem
T-Shirt bekleidet – ihre Hose hat sie irgendwo vergessen. Andere wiederum haben
ihren Kindern einen Hut aufgesetzt der nicht nur einen Nackenlatz hat, sondern
vorne auch noch bis unters Kinn bedeckt ist – lustigerweise trugen die aber dann
nur T-shirt und Shorts. Man hätte doch denken können, dass wenn die Mutter ihre
Kinder von der Sonne schützen will, diese auch alles gleich bedecken würde.
Einige sind sehr elegant gekleidet, andere haben die Röcke so kurz, dass man
darunter den Stringtanga und die Pobacken hervorblitzen sah... und auch dabei
handelte es sich nicht grade um die zartesten Geschöpfe mit knackigem Hintern.
Ein Herr geht mit
seinem fluffig gekämmtem Afghanen spazieren. Dieser scheint zu schweben. Andere
rollen ihren Koffer durch die Gegend und wollen damit sogar bis zum Turm. Alles
ist irgendwie surreal. Viele stellen sich für das perfekte Instagram-Bild in
Pose, als würden sie den Turm stützen oder halten. Für uns sieht das jedoch
einfach nur doof aus, als ob sie die Luft irgendwie pantomimisch halten wollen.
Ich bin erstaunt, dass
man den Turm sogar wieder besteigen kann. Hier werden jedoch strikte Kontrollen
durchgeführt und die Leute abgescanned. Die haben wohl hier angst vor einem
Attentat. Wenn ich mich jedoch umschaue, wäre die Kirche oder der Runde Turm
dahinter besser geeignet, den dort hat es mehr Leute. Und witzigerweise, werden
dort keine Kontrollen durchgeführt.
Um in die Gebäude zu
gelangen müsste man jedoch erst wieder für ein Ticket anstehen. Wir lassen es
und erfreuen uns an dieser weißen Prachtbauten von außen.
Nun geht es der Küste
längs gegen Genua. Wir nehmen die Ausfahrt bei Rappolo und fahren nun ganz am
Meer entlang und hoffen auf ein Restaurant mit Blick. Erst sieht es so aus, als
ob man hier auch nirgends ein Parkplatz bekommt. Alles ist voll. Doch dann
haben wir ein Platzl gefunden, müssen allerdings etwas laufen. Wir finden den
Bay Beach Club, der an die Felsen gebaut ist. Per Treppe geht es hinunter und
auf einer Terrasse mit Blick bekommen wir sogar einen Tisch für 4.
Das Essen lässt zwar
auf sich warten, aber die gute Stimmung und die Meeresluft lässt uns das ganze
ganz locker angehen. Der Wirt ist jedoch nicht happy mit seiner Crew. Und
offeriert uns die Espressi. Er und seine Angestellten bechern auch ganz schön aber
der Laden ist voll. Gäste werden mit Handschlag und Umarmung begrüsst wie alte
Freunde. Alles ist cool, schick und trendy. Wir stechen da etwas raus – aber das
ist uns egal.
Der Chardonnay und die
Fritty misti schmecken herrlich. Das Leben meint es gut mit uns.
Schliesslich fahren
wir weiter. Diesmal ohne Stau und weiter Komplikationen.
Um 9 Uhr abends sind
wir zu Hause und es schüttet und ist kalt. Die Koffer sind schnell ausgepackt
dann gehen wir zu meinen Eltern, wo uns ein Schweizer Raclette mit Wein erwartet.
Toskana 2019 hat uns
in all seiner Pracht empfangen und mit vielen schönen Eindrücken beschenkt.
Auch war es schön mit Jürgen und Melanie zu reisen und Zeit zu verbringen.
Gerne wiedermal – vielleicht nächstes Jahr in die Bretagne?
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