Chianti - Hicks - eine hügelige Fahrt
Die Sonne lacht.
Die Sonne lacht.
Leider hat das mit der
Matrazenbastelei nicht wirklich geholfen. Melanie hat schlecht geschlafen.
Erst einmal fahren wir
Richtung Poggibonsi und dann geht es hinauf und hinan und immer weiter bergauf.
Leider ist es etwas diesig, aber dennoch ist der Blick ins Flachland gewaltig.
Es wird immer waldiger. Die Steineichenbäume bilden mit anderen Bäumen und Sträuchern,
mit Unterholz und Steinen einen richtigen Urwald. Ein Paradies für die hiesigen
Wildschweine, Stachelschweine, Dachse und Vögel.
Immer wieder wird der
Wald unterbrochen von Olivenhainen und Rebbergen. Der Chianti wächst auf steinigem
Grund.
Unser erster Stopp gilt
jedoch dem Olivenölproduzent San Donatino, den wir in San Gimignano entdeckt
haben. Der Weg, mehr Schotterpiste als Strasse ging steil hinab an Weinreben
vorbei. Schon wollten wir bereits aufgeben, dann hab ich das Eulenmotiv entdeckt.
In einer rotierenden Blechkiste garten Hühnchen und Tauben(?) über einem Holzkohlefeuer.
Zwei ältere Herren sassen mit ihren Weingläsern daneben und schauten dem Gebrutzel
zu und schienen alle Zeit der Welt zu haben. Man merkte gleich, dass hier die
Zeit etwas langsamer läuft.
Ein weiterer Herr, der
etwas distinguierter wirkte, empfing uns und fragte gleich ob wir den Musiker Léo
Férre kennen, denn dieser gemeinsam mit seiner Frau und zwei weiteren Freunden
hätten sich hier in den 1970er Jahren niedergelassen. Ich verneinte, was mir
gleich einen tadelnden Blick einbrachte. Er meinte dann, das Férre eine
wirklich bekannter Chansonnier, Poet und Anarchist war, gleich zu setzen einem
Jacques Brel.
Den Namen zumindest
kannte ich, aber ich konnte ihm ja nicht wirklich sagen, dass ich mit
Französischem Gesang so gar nichts am Hut habe. Französisch zu singen geht
einfach nicht. Man kann es hauchen (Jane Birkin), sprechen oder schreien (Edit
Piaf, welche ich noch akzeptieren kann), aber die Sprache lässt einen einfach wirklich
singen. Ich weiss, ich weiss, da werden mir viele wiedersprechen , ich empfinde
es jedoch so und höre es einfach nicht gerne. Kleines Eingeständnis Französische
Dialekte gehen meist besser. Aber ich schweife ab – wir sind ja im Chianti.
Das Weingut liegt
schön und hat eine herrliche Terrasse. Man merkt jedoch, dass hier Künstler
wohnen oder zumindest gewohnt haben. Das Ganze hat einen Kommunen Charakter oder
einen 70er Hippie-Flair. Auch hier haben sie diese komischen Wein-Degustier-Automaten.
Die Hausherrin stellt uns Gläser und Brot mit etwas Olivenöl hin und lässt uns
probieren.
Wir hätten wohl da
sitzen bleiben können und so lange probieren können, bis uns der Wein gemundet
hätte, hat er aber nicht wirklich. Das Öl hingegen schmeckt wunderbar und wir
nehmen einen 3L Kanister mit.
Dann geht es den
steilen Berg wieder hinan und hinauf nach Castellina in Chianti. Das Städtchen thront
wie fast alle Dörfer auf einem Bergrücken. Seine Mittelalterlichen Gassen laden
zum shoppen und Weinprobieren ein. Hier hatte ich mal Pici gekauft, aber seit
wir diese auch hier bekommen, spar ich mir das.
Wir belassen es
diesmal beim Schaufensterln und Fotografieren. Auch hier sind viele auf den
Hund gekommen. Grosse und Bodenwischer ziehen an den Leinen ihrer Herrchen und
Frauchen. Die wenigsten scheinen mit ihren Hunden ein «Bei Fuss» Training absolviert
zu haben.
Wir fahren weiter nach
Radda in Chianti. Das Weingut, dass wir dort anschauen wollten, finden wir
nicht. Aber dafür bleiben wir bei einer Enoteca hängen und probieren den Chianti
dort. Melanie kauft 2 Flaschen, ich nehme einen VinSanto für Michael mit.
Michael entdeckt einen Laden, der Porchetta (mit Kräutern eingerollte Schweinebauchbraten)
anbietet. Er lässt sich ein Panino mit Porchetta machen. Für uns anderen ist es
jedoch noch etwas zu früh um schon wieder zu essen.
Im Südosten von Gaiole
in Chianti verschlägt es uns zum Castello Brolio, das den berühmten Chianti Barone
Ricasoli herstellt. Das Castello di
Brolio ist eine komische Mischung aus verschiedenen Bauepochen. Auf der einen
Seite sieht man weit hinab und auf der anderen ist es von Zypressenwald und modrig-stinkenden
Büschen umgeben. Auf dem Hauptplatz
steht ein toter Baumstumpf, der mich sehr an den Weissen Baum aus Gondor im
Buch Herr der Ringe erinnert.
Mir ist plötzlich
schlecht. Liegt es daran, dass ich nichts richtiges gegessen hab? An den modrig
stinkenden Büschen oder an dem verschlossenen Schloss mit seinem toten Baum?
Meine Fantasie spielt jedenfalls verrückt und für mich hat das Castello keine
gute Aura. Jedenfalls geht es mir augenblicklich besser, sobald wir den Ort und
damit meine ich auch die Ortschaft weiter unten wieder verlassen.
Michael merkt, dass es
mir nicht gut geht und meint es liegt am leeren Bauch. Die Nüsse und Kern-Mischung,
welche ich später zu mir nehmen, helfen wirklich etwas, aber mehr gegen den
Alkohol, der nach der Degustation in meinem Bauch sein Unwesen treibt.
Im Schlossticket
enthalten ist eine Degustation im Weinkeller im Dorf unten. Das lassen wir uns natürlich
nicht entgehen. In einem edlen, dunkeln Raum mit Bar und Bibliothek-artigen Austellungsgestellen
wird uns sehr fach-frauisch 4 Weine angeboten. Mir schmeckt nur der Teuerste
wirklich, aber ich bin nicht in Kauflaune. Das Olivenöl, brennt im Hals und ist
bitter.
In der kleinen Bar
gegenüber von dem Weinkeller spüle ich den Geschmack von dem Olivenöl mit einem
Espresso hinunter. Die trockenen Panini machen mich nicht an. Heute wäre ich in
Salatlaune. Die Bar ist wohl von berühmten Fahrradfahrern besucht worden. Ich
kenne jedoch keinen. An einer Wand entdecke ich noch ein altes Münztelefon. Ich
mag mich erinnern dass in Italien vor der Einführung des Euro und der Mobiltelefons
jeder mit Cetoni oder einem Beutel voller 500 Lire Münzen herum lief.
Nun fahren wir wieder
nördlich nach Panzano in Chianti. Doch uns empfängt ein Dorffest und das
Weingut, dass wir besuchen wollen ist zu. Also weiter nach Greve in Chianti –
aber auch hier ist es nicht besser. Wir finden heraus, dass heute der «Tag der
Italienischen Befreiung» ist, den die Bevölkerung hier fast wie den Nationalfeiertag
feiern.
Wir entschließen uns
zurück zum Agriturismo zu fahren und den Chianti, Chianti sein zu lassen. Der
Himmel zieht nun auch zu.
Heute gibt es wiederum Risotto con Verdura, Tagliatelle on Ragu in Campagna (nach Bauernart), Einen Schweinebraten
mit Kartoffeln und ein Dolce. Eine recht angeheiterte Agriturismo-Besitzerin erbittet sich noch ein Zigarettchen von Jürgen und die kleine Spitzohreule mit ihrem einen Ton begleitet uns noch hinunter in unser Häuschen, wo sie die ganze Nacht den einen Ton von sich gibt.
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