Volterra will uns nicht oder eine Irrfahrt in der Toskana




Nach einem weiteren üppigen Frühstück fahren wir etwas spät los. Zuerst nur auf den nächsten Hügel, denn ausgerechnet dort gibt es den exzellenten Vernaccia, den wir in San Gimignano geniessen durften. Doch wir sind zu früh. Vor 11.30 gibt es keine Weindegustazione. Am gleichen Hügel, gibt es jedoch noch ein Gourmetrestaurant – doch von uns macht es keinen an Kaviar in dieser Gegend voller Köstlichkeiten zu essen.

Wir fahren Richtung Volterra. Die Fahrt ist toll, auch wenn das Wetter eher bewölkt ist.

Vor Volterra liegen irgendwelche Kunstobjekte (ein Oval und Kreis aus Metall und an Mikadostäbchen erinnernde, überdimensionierte Metallstifte) in den Wiesen am Wegrand und werden rege genutzt um ein Foto zu schiessen. Dabei bietet die Natur bereits spektakuläres genug.

Vor Volterra stecken wir im Stau und mir schwant böses. In die Stadt hinein lassen sie uns gar nicht. Wir zirkeln also um den Berg herum und hinauf und hinab, doch die Parkplätze und die nicht ganz legalen Parkmöglichkeiten sind alle besetzt. Wir geben schliesslich auf. Dabei hatte ich mich so auf das beste Panino der Toskana gefreut.

Wir fahren hinter Volterra hinunter ins Tal und lassen uns etwas treiben. Schliesslich landen wir jedoch auf einer Schotterstrasse und ich sag Michael, dass er umkehren soll, doch er bleibt stur, bis es einfach nicht weitergeht. Schliesslich will ich uns zurückführen, aber Michael zieht es nun vor, dem Navigationsgerät zu folgen und damit einen mehreren Kilometerlangen Schotterweg weiterzufahren.

Uns stört es nicht, denn wir befinden uns im Grünen Paradies. Ausser einigen kleinen Bauerhöfen sind wir von herrlichen grünen Wiesen, Hügeln und Weizenfeldern umgeben. Jürgen und ich schiessen aus dem Auto hinaus spektakuläre Bilder. Sogar eine Schafherde grast friedlich und gibt der Gegend ein fast kitschiges Aussehen.
Wir merken jedoch wie angespannt Michael bei der Fahrerei ist und atmen alle auf, als wir schliesslich doch wieder auf einer gepflasterten Strasse landen.

Wir fahren wieder hinauf auf einen Berg, wo wir in einem «Charm Restaurant» ein leckeres Mal zu uns nehmen. Hier ist alles etwas plüschig, etwas überdekoriert und die Karte so poetisch in schnörkeliger Schrift geschrieben, dass ich nur die Hälfte davon verstehe. Die Kellner (deren 3) sind jedoch sehr bemüht. Alles ist fatta da noi, fatta in casa, Olio Olivio auch aus einem benachbarten Betrieb.

Wir geniessen ein Verdura-Timbale auf Käsesauce als Entrée und dann Tagliolini an einer weissen Bohnesauce mit speziellem aus San Giminiano stammenden Rohschinken. Melanie hat eine (Sorpresa di taglionlini truffata .....) was eigentlich nur unglaublich gutriechende Trüffelnudeln in einem Alufolienpäcklein war. Dennoch war alles exzellent, der Vernaccia dazu war auch nicht schlecht.

Einer der Kellner hatte allerdings nicht grade die Höflichkeit gepachtet, sondern war sehr arrogant. Mit erhobenen Haupte erklärte er uns dass der Rohschinken in San Gimignano anders genannt wird. Dann zischte er wieder ab. Das ging so schnell, dass ich leider nicht mehr mitbekommen hab, wie der Rohschinken denn nun in San Gimignano genannt wird, kann es Euch daher leider auch nicht sagen.  Aber der Kellner passte irgendwie zum Betrieb. Dieser ist etwas gewollt zu vornehm, nicht ganz echt und authentisch und doch irgendwie niedlich  und passend zur Gegend.

Um uns herum türmten sich die schwarzen Wolken, waren mal auf der einen Bergseite, dann auf der anderen. Das Mittagessen schafften wir jedoch noch trocken, wenn auch etwas kühl und windig hinter uns zu bringen.

Auf dem Weg regnet es etwas, oder die Strassen zeugen noch von einem vergangenen Regenschauer.

Schliesslich fahren wir nach San Vivaldo. Dies ist ein Pilgerort, der im Mittalter fast wie Disneyland dazu geschaffen wurde, Pilgern, die eigentlich nach Jerusalem wollten, aber wegen der Ottomanischen Besetzung oder aus Geldmangel nicht reisen konnten, die Möglichkeit zu geben, die Stationen Jesu abzulaufen und betend Busse zu tun. Diese Stationen manifestieren sich in kleinen Kapellen, die so in den Wald gesetzt wurden, dass sie als Muster die astronomische Orientierung von Jerusalem annahmen.

Das letzte Mal, als Michael und ich hier waren, war es sehr friedlich und ruhig. Heute spielten Kinder hier Fussball und es hat doch einige Besucher. Die Kapellen darf man jedoch nur mit Biglietto unter kundiger Führung besuchen, was uns ein Reiseführer etwas grummelig entgegenschleudert.

Dann fahren wir zurück zu unserem Poderi Arcangelo, wo am späten Nachmittag eine Weindegustation stattfinden wird. Es waren denn auch viel Anwesend. Nur für uns wird dann erst auf Englisch und schliesslich auf lustigem Deutsch der Wein erklärt. Ich klär die Sprecherin nicht darüber auf, dass der Wein wohl eher zu schweren als schwierigen Fleischgerichten passt, denn irgendwie finde ich es niedlich und denke mir, dass andere wohl auch Freude daran haben werden.... ausser natürlich der dummen Pute, die uns am 2. Tag hier den Morgen versaut hatte.

Sie zeigen uns ihren kleinen Weinkeller. Viel Wein wird hier nicht produziert, dafür Biologisch. Auch das Olivenöl ist biologisch. Ein Baum, eine Flasche Olivenöl. Die Oliven sind klein hier in der Gegend.

Nach einem Regnerischen Tag mit Gewitter, ist der Abend jedoch nun doch sonnig und trocken, der spätere Nachthimmel voller Sterne.

Heute darf ich endlich mal eine Ribollita versuchen. Diese eigentlich typisch Toskanische Bohnen-und-Gemüsesuppe entpuppt sich hier als Brot-und-Gemüseeintopf. Dieser ist so herrlich, dass Melanie und ich gleich dreimal zuschlagen. Für Jürgen schmeckt er zu sehr nach dem Schwarzkohl. Michael ist bereits in Gedanken an die kommende Fastenzeit, die uns wohl allen vorbesteht und übt sich in Enthaltsamkeit. Die Rigatoni mit Pilzsauce ist auch super lecker. Das anschliessende geschmorte Fleisch mit Zwiebeln und Kartoffeln, lassen wir Frauen jedoch aus und auch die trockenaussehende Costata con Marmelata – auch wenn uns die Männer davon überzeugen wollen, dass es sehr gut schmeckt. Wir können nicht mehr.
Den Supertuscan des Hauses lassen wir uns jedoch noch schmecken.

So geht unser letzter Abend nun auch vorbei.

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